Johannes Müller. As I remember
Augustenstraße 63
23.10. bis 21.11.2026
Eröffnung – Johannes Müller ist anwesend
Freitag, 23.10.2026, 18 bis 21 Uhr
Im Mittelpunkt von Johannes Müllers Malerei steht der Mensch, mal als einzelne Figur, mal als Teil einer größeren Menge. Die Gemälde der Ausstellung zeigen vertraute Situationen des Alltags: Menschen, die im Freibad auf ihren Handtüchern liegen, sich im Wasser bewegen, auf den Bus warten oder unterwegs sind. Es sind beiläufige Momente, die für sich genommen wenig Dramatisches besitzen. Johannes Müller interessiert sich vielmehr dafür, welche Stimmungen sich in solchen Situationen entfalten und was sie über menschliche Erfahrungen erzählen. Gesichter verschwimmen, Konturen lösen sich auf und Bewegungen gehen ineinander über – die Szenen bleiben erkennbar, entziehen sich jedoch einer eindeutigen Wahrnehmung.
Ausgangspunkt für Johannes Müllers Werke sind meist eigene Erinnerungen, die er gelegentlich durch Fotografien oder andere Bildquellen stützt. Dabei beschäftigt ihn die Frage, wie wir uns an Erlebtes erinnern und welche Eindrücke davon zurückbleiben. Erinnerungen sind selten vollständig. Einzelne Details treten deutlich hervor, während andere verblassen, sich überlagern oder unbestimmt bleiben. Auch seine Gemälde lassen solche Leerstellen zu. Unschärfen und Bildstörungen, die unter anderem von digitalen Medien inspiriert sind, lassen Figuren und Räume ineinander übergehen oder verschiedene Augenblicke gleichzeitig sichtbar werden. Die Bilder bewahren damit etwas von der Vergänglichkeit einer Erinnerung und lassen zugleich Raum für eigene Assoziationen, die das Dargestellte ergänzen.
Dem flüchtigen Charakter dieser Werke setzt Johannes Müller die körperliche Präsenz der Malerei entgegen. Seine Farbe wird stellenweise dick und modellierend aufgetragen, während andere Partien dünn, verwischt oder nur angedeutet bleiben. Gerade in den menschlichen Figuren verdichtet sich die Farbe häufig zu pastosen, beinahe skulpturalen Setzungen. So erhalten Haut und Körper eine unmittelbar physische Materialität, auch wenn ihre Umrisse verschwimmen oder sich in ihrer Umgebung auflösen. Die Farbigkeit entwickelt Johannes Müller aus der jeweiligen Stimmung der Motive heraus. Lebhafte Kontraste, fließende Übergänge und unterschiedliche Strukturen verleihen den vertrauten Szenen eine ungewohnte Intensität.
In den Gemälden von Johannes Müller verdichten sich gewöhnliche Alltagssituationen zu Bildern, in denen Erinnerung und Gegenwart ineinander übergehen. Was von einem Augenblick bleibt, lässt sich dabei nie ganz festhalten. Gerade in dieser Unbestimmtheit entwickeln die Szenen eine malerische Wirklichkeit, die dazu anregt, sie in der eigenen Fantasie zu vervollständigen.