Jakub Tomas. Notstromversorgung
Augustenstraße 63
12.06. bis 11.07.2026

Eröffnung – Jakub Tomas ist anwesend
Freitag, 12.06.2026, 18 bis 21 Uhr

Jakub Tomas konstruiert seine Gemälde als inszenierte Situationen, in denen alltägliche Wirklichkeiten subtil aus dem Gleichgewicht geraten. Seine Figuren bewegen sich durch Bildwelten, in denen gewöhnliche Situationen allmählich ins Unvertraute und Unheimliche kippen. Gesichter werden zu maskenhaften Oberflächen; Gesten wirken leicht verzögert, Perspektiven verschieben sich, und Beziehungen tragen eine unterschwellige Beklemmung. Seine Gemälde strahlen eine Atmosphäre stiller Unruhe aus, die zwischen Vertrautheit und Ambivalenz schwebt.

Im Zentrum der Praxis von Jakub Tomas steht ein vielschichtiger Arbeitsprozess, der  sich zwischen Collage, Skulptur und Malerei bewegt. Viele Arbeiten beginnen als kleine Papiermodelle, die wie Bühnenbilder arrangiert und ausgeleuchtet werden. Fragmente von Internetbildern und Erinnerungen werden zu vorläufigen Kompositionen zusammengefügt, bevor sie in Malerei übersetzt werden. Beeinflusst vom Kubismus ebenso wie von tschechischem Puppenspiel, Volkstraditionen und Stop-Motion-Animation verbindet Jakub Tomas verschiedene Ebenen der Realität zu fragmentierten Bildwelten, in denen mehrere Perspektiven und Zeitlichkeiten aufeinanderprallen. Die daraus entstehenden Szenen balancieren zwischen Intimität und Entfremdung, Humor und Unbehagen und erzeugen Bilder, die zwischen Vertrautheit und Desorientierung changieren.

Die jüngste Werkgruppe legt einen besonderen Fokus auf Motoren, Energiequellen und technologische Elemente, die das zeitgenössische Leben zunehmend durchdringen. In den Gemälden verflechten sich diese Objekte mit menschlicher Präsenz und treten sowohl in Landschaften als auch in Innenräumen auf. Anstatt als funktionale Geräte zu erscheinen, lösen sich Motoren von ihrem ursprünglichen Zweck und tauchen in unerwarteten Zusammenhängen auf: Sie werden durch Landschaften getragen, in häuslichen Umgebungen platziert oder erscheinen in Situationen, in denen Technologie und Natur auf eigentümlich symbiotische Weise miteinander verschmelzen. Von ihrer Funktion gelöst, beginnen sie als eigenständig symbolische Formen und visuelle Objekte zu wirken. Gleichzeitig tritt der Motor als Zeichen eines größeren kulturellen Wandels hervor, der Spannungen zwischen älteren und neueren Technologien, sowie den sich wandelnden Systemen sichtbar macht, die das alltägliche Erleben prägen.

Die Figuren richten ihren Blick häufig auf Bildschirme und Geräte, anstatt dem Blick der Betrachtenden zu begegnen, und wenden ihre Aufmerksamkeit einem virtuellen Raum zu. Ihre Präsenz erscheint dabei seltsam abwesend. Durch diese Bilder reflektiert Jakub Tomas den zunehmend intensiven Wettbewerb um menschliche Aufmerksamkeit sowie die wachsende Distanz zwischen physischer Erfahrung und virtuellen Formen der Flucht. In diesen Arbeiten erscheint die alltägliche Wirklichkeit subtil verschoben. Momente technologischer Abhängigkeit, sozialer Interaktion und gewöhnliche Gegenstände werden in Szenen überführt, die zwischen Wiedererkennbarkeit und Desorientierung oszillieren. Leicht verstörend und bisweilen absurd bleiben die Gemälde den Spannungen und Widersprüchen zeitgenössischen Lebens auf eigentümliche Weise erstaunlich nah.

Jakub Tomas (geb. 1982 in Jihlava, Tschechische Republik) schloss sein Studium 2012 mit einem MgA, dem tschechischen Äquivalent eines MFA, im Fach Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Prag ab. Zu den jüngsten Einzelausstellungen seiner Arbeiten zählen Ausstellungen bei The Cabin & The Bunker LA, Los Angeles, USA (2024), der COVA Art Gallery, Eindhoven, Niederlande (2025) sowie der Asya Geisberg Gallery, New York, USA (2024). Er lebt und arbeitet in Jihlava, Tschechische Republik.