Unter dem Ausstellungstitel "Jacke wie Hose" zeigt die Galerie Thomas Fuchs vom 5.8. bis zum 10.9.2016 aktuelle Arbeiten des Deutschschweizers Marco Faisst. Junge Männer posieren hier mit Selbstsicherheit und Coolness und erscheinen dabei - mit ihren Bomberjacken, Jeans, Sneakern und Caps - förmlich uniformiert. Ob der Faltenwurf der Jeans oder die schimmernde und im Licht changierende Oberfläche der Nylonstoffe: besonderen Fokus legt der junge Künstler auf die Stofflichkeit der jeweiligen Kleidungsstücke. Die schnelllebige Jugendkultur seiner Motive trifft so auf eine sorgfältige und vielschichtige Malweise, die den Betrachter auf sinnliche Weise anspricht. Der Blick des Künstlers auf den zeitgenössischen Kleidungsstil junger Männer - der so teilweise auch in verschiedenen Subkulturen zu finden ist - wird für ihn zur Auseinandersetzung mit der Tradition der abendländischen Malerei. 

Mit der Technik und Darstellungsweise kann bei Marco Faisst eine Rückbesinnung auf die Alten Meister gesehen werden. So präsentiert er die junge männliche Figur, die dem Betrachter in der Arbeit "Auf der Höhe von sich" mit cooler Miene entgegenblickt, in Form eines klassischen Bruststücks. Mit seinen kurzen blonden Haaren und der blau-silbrig glänzenden Sportjacke über dem gestreifte T-Shirt wird der junge Mann vom Betrachter jedoch zwangsläufig in der aktuellen Mode/Zeit verankert. Gleichzeitig stehen das Wechselspiel von Licht- und Schatten auf dem Gesicht der Figur unübersehbar in der malereigeschichtlichen Tradition eines Caravaggio. Und während es bei Tizian der schwere Samtstoff der päpstlichen Robe ist, deren Stofflichkeit den Betrachter fesselt, sind es in Marco Faissts Gemälde die sinnlich stimulierenden Reize des Faltenwurfs und der Lichtreflexe auf der glänzenden Oberfläche des Blousons, der so quasi zum Fetischobjekt wird. 

Die an sich profanen Bildmotive werden durch das traditionelle Medium der Öl-Malerei in gewisser Weise sublimiert und erhalten so eine Aura, die etwas Erhabenes vermittelt. Der sinnlich-ansprechende Charakter der präsentierten Kleidungsstücke steht dabei in einem Spannungsfeld mit dem subtilen Kontext von Macht und Gewalt, den Bomberjacken und Camouflage-Uniformen mit sich bringen. In "Dennis im Tanktop" ist es zudem die trostlose und wüstenhafte Landschaft - in der Faisst die Figur hier platziert -, die im Kontrast zur sinnlichen Stofflichkeit der intensiv blauen Jeans des jungen Mannes steht. Mit der präsentierten Rückenansicht in weißem Tanktop macht Faisst hier außerdem die Problematik von Individualität und Identität, die mit einer Uniformierung einhergeht, zum Thema. 

Marco Faisst wurde 1984 in Liestal in der Schweiz geboren, heute lebt und arbeitet er in Stuttgart. Seinen Diplom-Abschluss in Freier Kunst mit Schwerpunkt Malerei machte er 2013 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Dort besuchte Faisst die Klasse von Holger Bunk. Bereits 2009 wurde er mit dem 30th International Takifuji Art Award ausgezeichnet und 2013 wurde er für die Ausstellung "Atlas 2013" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Bonn ausgewählt. Erst in diesem Jahr gehörte Marco Faisst zu den Prämierten des 2. Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Ausstellung "Jacke wie Hose" ist die zweite Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie Thomas Fuchs. 

( Text von Tobias Bednarz )