Unter dem Titel „Liederbuch“ eröffnet die Galerie Thomas Fuchs ihr Ausstellungsprogramm 2018 mit einer Einzelausstellung ihres neuen Galeriekünstlers Ruprecht von Kaufmann (*1974 München).

Mit Ruprecht von Kaufmann vertritt die Galerie jetzt neben Rainer Fetting und Jochen Hein einen weiteren etablierten deutschen Künstler. Kurz vor ihrer Galerieausstellung in Stuttgart hat die Galerie Ruprecht von Kaufmann neben Patrick Angus und Rudy Cremonini im Dezember 2017 bereits erfolgreich auf der Kunstmesse Untitled Miami Beach gezeigt: 4 von 5 der nach Miami mitgebrachten Gemälde von Ruprecht von Kaufmann konnten in amerikanische Sammlungen platziert werden. Im März 2018 zeigt die Galerie Ruprecht von Kaufmann in einer Solopräsentation auf der Kunstmesse Volta New York.

Ruprecht von Kaufmann studierte Illustration und Malerei am Art Center College of Design in Los Angeles und lebte im Anschluss einige Jahre in den USA. Seit 2003 ist Ruprecht von Kaufmann, mit einigen Unterbrechungen, in Berlin ansässig. Dort unterrichtete er an der Universität der Künste, gefolgt von Lehraufträgen an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg sowie als Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seine Arbeiten sind bereits in einigen namhaften Sammlungen wie beispielsweise der Hort Family Collection New York oder der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland vertreten. Ruprecht von Kaufmann ist aktuell in den prominent besetzten Gruppenausstellungen „New Frontiers of Painting“ in der Foundation Stelline, Mailand (http://www.stelline.it/en/stelline-foundation/exhibitions/new-frontiers-painting-till-25022018) und „Neue Schwarze Romantik“ im Künstlerhaus Bethanien, Berlin (http://www.bethanien.de/exhibitions/neue-schwarze-romantik/) vertreten. Vom 20.01. bis 02.04.2018 zeigt die Kunsthalle Erfurt eine große Werkschau von Ruprecht von Kaufmann mit dem Titel „Die Evakuierung des Himmels“, in der rund 120 Arbeiten des Künstlers aus den letzten 15 Jahren zu sehen sind (http://kunstmuseen.erfurt.de/km/de/service/aktuelles/ausstellungen/2018/128500.html).

In den Gemälden und Gouachen des Berliner Malers Ruprecht von Kaufmann begegnen dem Betrachter hybride Traumwelten; hier trifft Reales auf Absurdes. Schnell wird klar, dass es nicht die äußerliche Welt ist, die den Künstler zu malen interessiert. Vielmehr sind es die Interpretationen und Vorstellungen von dieser, denen von Kaufmann in seinen Bildern nachspürt. Das Ergebnis sind surreale Welten, die doch auch immer ein Stück Wahrheit in sich tragen. In diesen Parallelwelten scheint alles ambivalent, die Grenze zwischen Möglichem und Unmöglichem aufgehoben. So sitzt im großformatigen Ölgemälde „Radetzky Marsch“ ein kopfloser Feldmarschall mit dem Rücken zum Betrachter stolz im Sattel seines unsichtbaren Pferdes. Die Tapete im Hintergrund des undefinierbaren Raumes erscheint auf den ersten Blick als dekoratives Element; bei genauerem Hinsehen jedoch erkennt man deutlich Totenköpfe als Hauptbestandteil des Designs. Dem subtil bedrohlichen Charakter dieses eigenartigen Dekors steht die Anmut und selbstsichere Präsens des Reiters gegenüber. Wie selbstverständlich thront er dort auf seinem unsichtbaren Ross, unter ihm lediglich sein eigener Schatten. Es sind diese figurativen und erzählerischen Elemente, die den Betrachter direkt ansprechen und ins Bild ziehen. Er wird verführt, geradezu herausgefordert, die narrativen Ansätze zu interpretieren, ihnen zu folgen und sich seine eigene fiktive Geschichte daraus zusammenzubauen. Einfache oder befriedigende Antworten liefert von Kaufmann dabei keine. Stattdessen wartet hinter jedem Gedankengang nur die nächste Abzweigung, die noch tiefer in den Irrgarten der inneren Sinnsuche führt. Mythen, Märchen und Fabeln sind seit jeher der Versuch des Menschen, seinem Dasein in einer willkürlichen und oft unerklärlichen Welt durch Erzählungen einen Sinn oder zumindest eine gewisse Ordnung zu verleihen. Aneignungen der zeitlosen Themen der antiken Mythologie, Referenzen auf Märchen, Literatur und Musik, all das findet man in den Arbeiten Ruprecht von Kaufmanns. Der Maler führt den Betrachter so in eine traumhafte Welt, in der die Ebenen von Realität und Fiktion verschmelzen.

In Ruprecht von Kaufmanns Werken steht der Mensch im Mittelpunkt. Häufig scheinen seine Figuren eine bestimmte Unschlüssigkeit zu besitzen, scheinen physisch mit ihrer und um ihre Existenz zu ringen. Die Mischung zwischen Figuration und Abstraktion in den Bildern unterstreicht diesen Kampf. Der Künstler präsentiert die Transformation der Bildelemente aus seinen Malermaterialien, er zeigt Verwischungen oder setzt Farbklumpen ins Bild. Die Ölgemälde der Ausstellung malte von Kaufmann auf farbigen Linoleum, die ihm erlauben, mit verschieden Werkzeugen dreidimensionale Strukturen und Fehlstellen zu erzeugen. Die individuellen Merkmale seiner Figuren werden mit diesen Ausschabungen und mit Hilfe von Farbverwischungen oft verunklart. Ruprecht von Kaufmanns Figuren sind so nicht als klassische Porträts real existierender Personen zu lesen, sondern vielmehr als Archetypen aus Erinnerung und Fiktion, die repräsentativ für ein Kollektiv von Menschen stehen. Diese hybriden Erfindungen sind charakteristisch für die Arbeiten des gebürtigen Bayers. In seinen Bildern schaltet er die Logik für einen Moment aus, konstruiert surreale Erzählungen und zeigt so auf, wie hilfreich dies alles beim Deuten unserer Alltagswelt sein kann.

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