Als Quelle seiner Inspiration dient Martin-Jan van Santen die Realität, aus ihr zieht er die Motive für seine Gemälde. Die Eigenständigkeit seiner Bilder ist dabei jedoch ein wesentlicher Aspekt für den Maler. Van Santen möchte seine Gemälde von einer reinen Abbildfunktion befreien und sie, unabhängig von ihren Referenzen zur Realität, für sich selbst sprechen lassen. Seine Bilder, so sagt der Künstler selbst, sind eine Ode an die Schönheit. Im Malprozess macht sich van Santen daran, diese Schönheit zu ergründen. Hierbei spielen besonders Farbe und Lichte eine bedeutende Rolle. Mit ihnen verleiht der Niederländer seinen Bildern die besondere Atmosphäre, die charakteristisch für sein gesamtes malerisches Werk ist.

Die große Bedeutung, die Martin-Jan van Santen dem Licht und der Farbe in seinem Werk zukommen lässt, stellt ihn in eine impressionistische Tradition. Zu dieser kommen jedoch auch expressionistische Züge, die sich in den groben Pinselstrichen aus häufig überraschend gewählten Farbakzenten zeigen. Gezielt setzt van Santen diese auf die Leinwand und lässt so nach und nach seine Motive entstehen. Welch lebendige Wirkung er seinen Bildern so verleiht, zeigt sich beispielsweise am muskulösen Rücken des Gitarre spielenden Jungen in der Arbeit "Serenade". Hier setzt van Santen mit einem hellen Orange oder einem zarten Grünblau überraschende Farbmomente, die der Rückenansicht im Zusammenspiel aller Elemente eine faszinierende Anmut verleihen. Das Gesicht des Jungen präsentiert van Santen nicht, den Blick hat er in die Ferne gerichtet, was dem Motiv eine gewisse Ruhe verleiht. Diese stille Welt findet sich in vielen Arbeiten des Niederländers. Seine Figuren scheinen nicht selten in Gedanken verloren oder in Tagträume versunken. So ist auch die Atmosphäre in "Wrinkles" von Stille geprägt: Auf einem Holzsteg sitzend starrt der nackte junge Mann auf die nur leicht bewegte Oberfläche des vor ihm liegenden Sees. Hier zeigt sich das große Interesse des Malers an der Lichtsituation seiner Motive. Raffiniert belebt er die Wasseroberfläche des ruhigen Sees mit den Reflexionen des Himmels sowie einer gekonnten Spiegelung der hockenden Figur. Auffällig bei all seinen Motiven ist die Natürlichkeit der Figuren, die nicht posierend, sondern wie im Moment festgehalten erscheinen. Der Momentaufnahme-Charakter und das Stimmungsvolle seiner Gemälde erfordert von Martin-Jan van Santen ein hohes Maß an Konzentration und ist - auch wenn seine Bilder mit den groben Pinselstrichen wie schnell entstanden wirken -  mit viel Arbeit verbunden. Ein Aufwand, den der Maler auf seiner Suche nach der Essenz von Schönheit nur allzu gerne auf sich nimmt. 

Martin-Jan van Santen studierte an der Hochschule für Kunst Constantijn Huygens in Kampen und arbeitete rund zehn Jahre als Animator für Cartoons, bevor er sich schließlich mit Erfolg ganz der Malerei verschrieb. 2015 widmete das City Exhibition Centre - City Museum Kampen dem Maler eine Einzelausstellung.

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