"Nichts wie es scheint" ist der Titel der Ausstellung und gleichzeitig programmatisch zu verstehen. Auf den ersten Blick scheinen die Motive dem Betrachter vertraut. Neben Seestücken, die das Meer mal ruhig und mal stürmisch zeigen, finden sich leuchtende Parklandschaften, Grasstücke und Porträts, in ganzer Figur oder als Detailausschnitt in eigenem Licht. Bei näherer Betrachtung wird sich das Gegenüber bewusst, dass es sich nicht etwa um ein genau gemaltes Abbild der Natur handelt, sondern um abstrakte Formen und Flächen. Um diese Täuschung zu erzielen, hat Hein eigene Techniken entwickelt: Den aufwändig vorbereiteten Maluntergrund, übergießt er mit "Farbhäuten". Anschließend schleift oder trägt der Maler in einem zweiten Schritt an einigen Stellen Farbe ab bzw. auf. Die täuschend echt wirkenden gleißenden Lichtreflexe in seinen Seestücken entstehen u.a. mittels schwungvoll ausgeführter Armbewegungen, mit denen Hein mit einem Pinsel weiße Farbe auf die vor ihm auf dem Boden liegende Leinwand schleudert. Die genaue Platzierung dieser "Lichtpunkte" ist daher eine "Mischung aus Zufall und Notwendigkeit" (Hein).

In "Pakt" blickt eine sitzende männliche Figur in einem schwarzen Anzug dem Betrachter aus einem dunklen Raum gelassen und selbstsicher entgegen. Die Unterarme ruhen auf den Oberschenkeln, die Hände liegen übereinander, die Finger sind ineinander verschlossen. Gesicht, Hemd und Hände sind hell erleuchtet, während der Rest der Figur mit dem schwarzen Hintergrund zu verschmelzen scheint. Die Figur erinnert an einen zum Leben erweckten Mephisto, mit dem der Betrachter in der Sekunde einen Pakt schloss, in der er diesem in die Augen blickte. Das Porträt wirkt auf den Betrachter wie eine schwindende Erinnerung, wie ein Augenblick, den der Künstler für immer festgehalten hat.

In den Haarbildern ("Haar") präsentiert Hein, ohne dessen Träger zu zeigen, in einem engen Bildausschnitt langes, gesundes und glänzendes Haar. Eine scheinbar perfekte Darstellung der Wirklichkeit, so lebendig, dass beim Betrachten das Verlangen evoziert wird, diese berühren zu wollen. Allerdings nur, um beim Herantreten auch hier wieder festzustellen, dass es sich um mit dem Messer herausgekratzte Linien auf einer mit Lasuren überzogenen Holzplatte handelt. Eben jene Täuschung, jene "Spannung zwischen Erwartung und Wirklichkeit“, fasziniert den Künstler, denn seiner Meinung nach sei die menschliche Wahrnehmung und dessen Erkenntnisfähigkeit nur eine oberflächliche Ahnung von der Welt. Und diese nur oberflächliche Ahnung nutzt der Künstler für sich und zeigt in seinen Arbeiten, dass der "Mensch gerade nicht erkennt, was er sieht, dass selbst die Illusion nur eine Illusion ist" - nichts ist, wie es scheint.

Die Galerie vertritt Jochen Hein seit 2015 und präsentierte seine Arbeiten sowohl auf nationalen (Art Karlsruhe, POSITIONS Berlin) als auch auf internationalen Messen (art UNTITLED Miami Beach, VOLTA NY, VOLTA Basel) überaus erfolgreich. Heins Arbeiten waren unter anderem in Museumsausstellungen im Museum Hamburg, in der Städtische Galerie Neunkirchen, im Museum Kunst der Westküste und im Kunstverein Göppingen zu sehen.

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